Vita

 


Atigula Aziz geboren *1979
in einer usbekischen Familie in Andchui/Afghanistan

lebt seit 1993 in Deutschland
2000 – 2007 Studium der Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München

bei Prof. Axel Kasseböhmer
2005 Ernennung zum Meisterschüler
2007 Diplom
Atigula Aziz lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Augsburg.

 

Über meine Arbeit


Kern meiner Malerei ist die gegenständliche Darstellung.
Die eigene Umwelt wahrzunehmen, setzt eine gewisse Sensibilität voraus; eine Sache aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, erfordert Neugierde und Aufnahmefähigkeit. Ich lasse in meinen Arbeiten Reales und Surreales verschwimmen, konfrontiere Beobachtetes beziehungsweise Erinnertes mit Imaginiertem. Dabei beschäftige ich mich in meinen Arbeiten thematisch mit der Erfahrung von Isolation und Abschottung sowie der Entfremdung des Menschen von seiner naturlichen Umwelt. Neben diesen vielfältigen Themenbereichen, an denen ich mich abarbeite, liegt mein Fokus auf der Malerei selbst. Der Malvorgang, der jedes Mal von Neuem eine Auseinandersetzung mit Form und Farbemit sich bringt, ist mein eigentlicher Antrieb. Ich greife auf die Arbeitsweisen der alten Meister zurück, nicht nur, weil ich durch mein Studium der Malerei bei Prof. Axel Kasseböhmer mit dieser Technik sehr vertraut bin, sondern auch, weil diese Vorgehensweise den notwendigen Raum für eine echte Auseinandersetzung mit der Malerei bietet. Die gelungene Umsetzung einer Idee mit diesen Mitteln ist immer wiederein Antrieb, auch wenn sie Zeit und eine gewisse Hartnäckigkeit im Arbeitsprozess erfordert.


Zyklus »Mauer«


In meinen aktuellen Arbeiten beschäftige ich mich mit dem Motiv der Mauer. Seit dem Frühjahr 2016 ist ein Zyklus von großformatigen Bildern entstanden.
Mich interessiert an diesem alltäglichen Bauobjekt nicht nur seine materielle

Beschaffenheit und wie diese mit den Mitteln der Ölmalerei visuell umgesetzt werden kann. Vor allem ihr symbolischer
Gehalt ist für mich von großem Interesse. Die Mauer an sich spielte in der menschlichen Geschichte seit der Sesshaftwerdung eine wichtige, oft mit Gewalt verbundene Rolle und für das vergangene Jahrhundert kann insbesondere die Betonmauer als Leitmotiv dienen. Nicht zuletzt die massive Präsenz der Idee einer Mauer im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs über nationale Identität, Grenzen und Migration macht dieses Bauobjekt für mich zu einem Motiv, an dem ich mich abarbeiten möchte. Die Mauer grenzt ab und kann mit Gewalt zum Gefängnis werden. Zugleich macht ihre Beschaffenheit – insbesondere in Verbindung mit dem in der Postmoderne allgegenwärtigen Material Beton – sie zum typischen Artefakt industrieller Fertigung. Rechteckig, glatt und in monotoner Farbgebung bleibt sie stets ein Fremdkörper. In ihrer Künstlichkeit und imposanten Hässlichkeit dominiert sie den Raum, untergliedert ihn, verzerrt Größenverhältnisse, zerschneidet Gegenden in zwei Teile, erschafft ein undurchdringliches Davor und Dahinter.


Meine Arbeit weist surrealistische aber auch freiere, expressivere Gestaltungsmittel auf, mit deren Hilfeich mich dem Thema nähere. Grundsätzlich sind die Bilder der gegenständlichen Darstellung verpflichtet. So beinhalten sie, neben einer variierenden Anordnung von Mauern oder Fassaden, menschliche Figuren sowie diverse Utensilien und Artefakte menschlichen Lebens und Tätigseins. Die Komposition ist durch die Mauern geprägt, die an prominenter Stelle platziert sind und dem Bild durch ihre Perspektivität Tiefe verleihen. Im von den Mauern gegliederten Raum interagieren die menschlichen Figuren mehr mit den Bauwerken als miteinander. Sie erscheinen isoliert und in einer gewissen Monotonie gefangen. Meine Absicht ist es, sie arrangiert und fremd in ihrer Umgebung wirken zu lassen, dominiert von der abweisenden und unnatürlichen Wirkung der Mauer – die es paradoxerweise als vom Menschen selbst geschaffenes Bauwerk nicht vermag, dem Menschen ein Wohlgefühl zu vermitteln. Natürlich stellt sich mir auch die Frage, wie sich die Menschen dazu verhalten, ob sich Widerstand in ihnen regt. Das kann sich sowohl auf der Inhaltsebene zeigen (zum Beispiel durch die Spitzhacke in der Arbeit »Die heile Familie« oder die Graffiti im Bild »Rebellion«) als auch in der Malweise: Wenn im expressiven Farbauftrag freie Formen im Bild erscheinen, bilden diese einen Bruch zu der künstlichen Glätte der Mauer, wie beispielsweise in den beiden Arbeiten »Auskundschaften« und »Isolation« zu sehen ist.

 

Atigula Aziz

 


Ausstellungen:


2004 »Hirnsommer«, Festhaus, München, Gruppenausstellung


2004 Teilnahme an der »3rd Changsha Contemporary Art Exhibition«, Changsha, China


2006 Teilnahme an der »Target Partners«, München, Gruppenausstellung


2007 »Goldener Kentaur«, Künstlerhaus, München


2011 »Toros«, Weltraum, München, Einzelausstellung


2011 »Souvenir«, Kunstarkaden, München, Gruppenausstellung


2012 »The Fabric«, MaximiliansForum, München, Gruppenausstellung


2014 »7 im Hinterhof«, Schellingprojekte, München, Gruppenausstellung


2015 »Flachware«, Schellingprojekte, München, Einzelausstellung

 

2019 »Mauerwerk«,Kulturhaus Milbertshofen, München, Einzelausstellung